Elektrosensibilität

Elektrosensibilität und Elektrosensitivität

Es wird zwischen Elektrosensitivität und Elektrosensibilität unterschieden.
Elektrosensitive Menschen können schwache elektromagnetische Felder wahrnehmen, ohne dabei unbedingt gesundheitliche Symptome zu entwickeln. Die Wahrnehmung dieses Phänomens ist bis heute wissenschaftlich nicht geklärt.
Elektrosensible Personen führen ihre Gesundheitsbeschwerden direkt auf elektromagnetische Felder zurück. Sie werden daher auch als elektromagnetisch hypersensibel bezeichnet. Der Fachbegriff dafür ist Elektrohypersensibilität (EHS).

Man kann Elektrosensibilität und Elektrosensitivität als die ungewollte Fähigkeit bezeichnen, sowohl elektrische, magnetische Felder als auch elektromagnetische Wellen wahrzunehmen, zu “spüren”.
Der menschliche Organismus hat die Eigenschaft auch auf sehr schwache Felder und Wellen zu reagieren. 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung sind elektrosensibel und leiden unter der Befeldung. Die individuellen Symptome sind Ausdruck einer erheblich gesteigerten Empfindlichkeit auf schwache und sehr schwache physikalische Umweltbelastungen. Ein gesunder Organismus kann diese Einflüsse ausregeln, der geschwächte oder vorgeschädigte Organismus aber nicht mehr.
Die hohe Empfindlichkeit ist in der Regel die Folge eines überforderten Regulationssystems (z.B. des Nerven-, Endokrinen- und Immunsystems), wobei insbesondere eine Überlastung des Immunsystems an erster Stelle steht. Die Schwächung des Abwehrsystems wird nicht nur durch die Einwirkung von physikalischen Umweltbelastungen ausgelöst, sondern in hohem Maß wird festgestellt, dass andere toxische Belastungen mit ursächlich an der Entstehung von EHS sind.
Diagnosen bei Betroffenen zeigen, dass Schwermetalle, Pestizide, Insektizide, Stäube wie Asbest und Mineralfasern, ferner Mykotoxine, Pilze und Viren die Entstehung von EHS begünstigen! Die EMF-Richtlinien 2016 der EUROPAEM sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Auch geopathische Einflüsse können die Entstehung von EHS begünstigen.
Wir finden heute in Häusern und Wohnungen in den überwiegenden Fällen eine Mehrfach- oder Vielfachbelastung. Insofern können wir Elektrosensibilität als Teil eines multifaktoriellen Geschehens bezeichnen, da fast immer ein Synergismus (Wechselwirkung) mit anderen Belastungsfaktoren vorhanden ist.
Es ist nur zu verständlich, wenn angesichts des geschilderten, breitgefächerten Belastungsbildes die beobachteten Symptome – wie Nervosität, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche, Erschöpfungszustände u. ä. – als “unspezifisch” eingestuft werden.
Es ist zwingend notwendig, dass bei der ärztlichen Anamnese nicht nur Lebensgewohnheiten wie Ernährung, Bewegung, Gewohnheiten abgefragt werden, sondern auch Umweltbelastungen der verschiedensten Art berücksichtigt werden. Auch die genetische Disposition ist in Betracht zu ziehen.
Mit Eingrenzung der verursachenden Hauptbelastungen lassen sich “Risikogruppen” benennen. Dem Phänomen Elektrosensibilität ist aber nur mit einem Verständnis des Biosystems Mensch beizukommen. Der Mensch muss endlich als „offenes System“ begriffen werden, als System mit höchst intelligenten Regelkreisen, die auf alle von außen kommenden Reize in irgendeiner Form reagieren. Das Phänomen wird nicht erfasst mit einer mechanistischen oder analytischen Auffassung. Auch das geschlossene Newton’sche Modell, das eindimensionale Vorgehen, nach der Frage der singulären Ursache-Wirkungs-Beziehung führt nicht weiter (monokausale Beziehung) bei der Erforschung des Phänomens Elektrosensibilität. Nur ein Paradigmenwechsel (Bewusstseinswandel) kann den multikausalen Ursachen der physikalischen und allgemeinen Umweltverschmutzung gerecht werden. In seinem Buch “Neuland des Denkens”, von 1984, drückt Frederic Vester das folgendermaßen aus:

“Das Geschehen ist nicht mehr durch Einzelversuche in den Griff zu bekommen. Denn sobald Konstellationen im Spiel sind, also mehrere Ursachen und mehrere Wirkungen miteinander verflochten sind, ist der übliche Weg des wissenschaftlichen Kontrollversuchs nicht mehr anzuwenden. Und damit stoßen wir auf den Kern des Dilemmas: Konstellationen, die sich dadurch auszeichnen, dass sich mehrere Regulationsbereiche überlagern, können auch bei sehr unterschiedlichen Einzelwerten die gleiche Wirkung haben und bei identischen Einzelwerten oft gegenteilige Wirkungen.”

Diese Aussage wurde von Herrn Vester im Zusammenhang mit Krebsentstehung gemacht, wir dürfen sie aber sicherlich auch auf die Elektrosensibilität anwenden. Wenn wir uns die Auffassung von Herrn Vester zu eigen machen, wird verständlich, aus welchem Grunde die vielen, seit Jahrzehnten durchgeführten Studien zur Frage “Sind elektromagnetische Felder gesundheitsschädlich?” keine eindeutige Antwort erhalten.
Die Studien sind überwiegend (zu 95 Prozent) monokausal angelegt. Nur die Einbeziehung des ganzen Menschen wird der Realität gerecht und führt zu den gewünschten Erkenntnissen. Um in der Elektrosmog-Forschung entscheidende Fortschritte zu erzielen, müssen Methoden der Verhaltensforschung eingesetzt werden. Ein einfaches Beispiel soll das Verständnis erleichtern. „Warum fliegen bestimmte Zugvögel in Pfeilformation?” Aus wissenschaftlicher Sicht kann man diese Frage völlig unterschiedlich angehen. Man kann einmal einen Vogel aus dem Verband fangen und ihn auf alle nur möglichen Parameter untersuchen, man kann ihn sogar sezieren und in die kleinsten anatomischen und chemischen Bausteine zerlegen. Die Frage nach dem Formationsflug dieser Vogelart wird aber nicht beantwortet werden. Man kann aber auch die Umfeld-Bedingungen im Formationsflug z. B. den Strömungswiderstand und andere aerodynamische Faktoren untersuchen und schon wird man erste Antworten auf die gestellte Frage erhalten.
Gerade die Belastungen durch technische Felder und Wellen sind klassische Umfeldbelastungen die auf den menschlichen Organismus einwirken. Ein neuer Forschungsansatz könnte hier rasch Erkenntnisse bringen.